Dieser Online-Shop verwendet Cookies für ein optimales Einkaufserlebnis. Dabei werden beispielsweise die Session-Informationen oder die Spracheinstellung auf Ihrem Rechner gespeichert. Ohne Cookies ist der Funktionsumfang des Online-Shops eingeschränkt. Sind Sie damit nicht einverstanden, klicken Sie bitte hier.

Pierers Universal-Lexikon 1. Auflage (1824-1836 / 1856)

Die Entstehungsgeschichte dieses Lexikons ist dieser Zeit entsprechend, von einigen Wirrungen begleitet. Dr. Ludwig Friedrich Theodor Hain (1781-1836), ein ehemaliger Brockhaus-Mitarbeiter, beschloß 1819/1820 selbst ein Konkurrenz-Lexikon zu veröffentlichen. Das von Hain geplante Lexikon sollte nur vier Bände umfassen & sich ausschließlich auf die Bereiche Wissenschaft und Kunst begrenzen. Zur Umsetzung dieser Idee suchte er einen geeigneten Verleger, welchen er 1820 im Buchhändler Hahn in Altenburg fand. Brockhaus selbst erkannte die Gefährlichkeit dieser Unternehmung & zwang Hain Sachsen zu verlassen. Dieser zog über Wien nach München & stellte 1821 die Umsetzung des geplanten Lexikons ein. Der Verleger & Buchhändler Hahn machte sich nun dieses Projekt ganz zu eigen & engagierte – als Ersatz für Hain – den Chefredakteur des enzyklopädischen Wörterbuches Dr. August Daniel Binzer (1793-1868). Aber die Unternehmung stand unter keinem guten Stern, bereits im Januar 1822 war die finanzielle Lage Hahns derart schlecht, dass er Verlag & Buchhandlung den Inhabern der Hofbuchdruckerei Dr. Johann Friedrich Pierer & dessen Sohn Heinrich August Pierer – zunächst bis zum 30.06.1822 befristet – zur Administration übereignete (Peche, 450).

Johann Friedrich Pierer (praktischer Arzt & medizinischer Schriftsteller) hatte 1799 die Richtersche Hofdruckerei gekauft & 1801 einen Verlag namens Literarisches Comtoir ins Leben gerufen. Er besaß in Altenburg das alleinige Druckerprivileg & hatte daher hier eine Monopolstellung inne (dies ist möglicherweise auch ein Grund, warum Brockhaus 1817 nach Leipzig übersiedelte). Im Jahr 1816 hatte Pierer jedoch seinen Verlag an Brockhaus verkauft; was sich im Nachgang als großer Fehler herausstellte. Da er zur Herausgabe des Lexikons nun einen Verlag benötigte, war er 1823 gezwungen, diesen von Brockhaus zurückzukaufen.

1824 war es soweit: Die Erstausgabe des Pierer Lexikons erschien unter dem Titel „Encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe. Bearbeitet von mehreren Gelehrten“. Der erste, noch von Binzer herausgegebe Band wurde 1824 teils mit neuem Titel & Vorwort nachgedruckt (es findet sich zudem kein Nachweis mehr auf Hain, den geistigen Vater dieses Lexikons). Pierers Verdienst ist ganz zweifelos, daß er den Wert dieses Konzeptes erkannt & allen Widrigkeiten zum Trotz in die Tat umgesetzt hat. Bis 1836 erschienen nach & nach insgesamt 26 Bände mit zwischen 686 bis 886 Seiten (insgesamt mehr als 19.200 Seiten) & bereits in doppelspaltigem Druck.
1835-1836 erfolgte ein Neudruck aller 26 Bände mit etwas abweichendem Titel "Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch" & dort mit durchgängiger Nennung von H.A. Pierer als Herausgeber (d.h. nicht mehr Binzer bei Band 1).

Das Werk verfolgte konzeptionell einen völlig anderen Ansatz als das Konversationslexikon (mit der Betonung auf „Konversation“) von Brockhaus: Der Gebildete sollte sein allgemeines, der Gelehrte sein fachfremdes Wissen erschließen können. Mit diesem neuen Stil - die (auch heute noch übliche) zumeist sachliche-trockene, knappe & objektive Schreibweise – stellt das Werk einen richtungsweisenden Meilenstein in der Lexikographie dar, wurde später zum Vorbild des Meyer Lexikon & ist gewissermaßen der Urvater des heutigen Verständnisses von einem Nachschlagewerk. Das seinerzeit übliche „Conversations-Lexikon“ oder „Konversationslexikon“ wurde daher im Titel des Pierer bewußt nicht verwendet. Statt dessen der universellen Wissensanspruch in der Tradition der alten Enzyklopädien mit dem Titel „Universallexikon“ ausgedrückt. Die dementsprechenden Wertschätzungen: „Erstes Konversationslexikon, welches nur als Nachschlagewerk verwendet werden wollte und nicht auch als ‚Unterhaltung mit Unterricht verbindendes Lesebuch’ ... bedeutenste Erscheinung auf dem Felde der allgemeinen Reallexicographie in Deutschland.“ (Menz, 1939). Oder „... alles bisheriges in den Schatten gestellt ... hatte nicht die großen Auflagen des auf weiteste Verbreitung bedachten Brockhausschen Lexikons ... maßgeblicher Einfluß auf die weitere Entwicklung ...“ (Zischka, 1960). Und „... ist der Brockhaus jedenfalls in seinen größeren Artikeln ein darstellendes, auf Lesbarkeit gerichtetes Werk; der Pierer hingegen ein Buch zum gezielten Nachschlagen ... Brockhaus war damals essayistisch, geschrieben im noblen Gelehrtendeutsch ... Pierer lexikalisch, knapp und sachlich, quantitativ und inhaltlich ungleich umfassender.“ (Killy, 1992).

Im ersten Band findet sich neben dem Namensverzeichnis der Mitarbeiter (und deren Kürzel für die Stichworte) ein längeres Vorwort, welches neben dem konzeptionellen Ansatz teils auch die o.a. Schwierigkeiten bei der Entstehung dieser Lexikon-Ausgabe beschreibt. Im letzten Band eine Aktualisierung der Mitarbeiter sowie ein Nachwort (in beiden Löbe genannt, welcher ab dem 16.Band für den verstorbenen Professor Schneider mitarbeitete & sich später für die 4.Auflage verantwortlich zeigen sollte). In dem mit Februar 1837 datierten Nachwort zudem schon die Ankündigung der später folgenden Supplemente (veröffentlicht wurden allerdings sechs, statt der hier noch genannten zwei Supplemente).

Bedingt durch die geringe Auflage & Verbreitung sind heute praktisch nur noch Einzelbände dieser Erstausgabe anzutreffen.

1841-1847 veröffentlichte der Verlag dann sechs Supplementbände zur Erstausgabe unter dem Titel "Supplemente zum Universal-Lexikon oder Encyclopädischem Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe" (einige Bilder hierzu finden Sie in der Bildergalerie). Sehr unterhaltsam hier, wie Pierer hinsichtlich des großen Umfang des Buchstabens "A" beruhigt, d.h. sich hiervon nicht von einem Kauf der Supplemente "abhalten zu lassen".
1844 erschien bei Scheibe, Rieger und Sattler noch ein Atlasband unter dem Titel „Erläuternder Atlas zum Universal-Lexikon von H.A.Pierer“ mit 125 Stahlstichen (Porträts, Karten & Stadtpläne).
1851-1854 bei Pierer weitere sechs Supplemente A-Z zur ersten & zweiten Auflage; genauer Titel „Supplemente zu Pierer’s Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestem encyclopädischen Wörterbuche der Wissenschaft, Künste und Gewerbe bearbeitet von mehr als 300 Gelehrten“. Band 1, A-Deutschkatholiken, 1851. Band 2, Deutschland-Gyzen, 1851. Band 3, Haake-Leppich, 1852. Band 4, Lepsius-Phenyl, 1852. Band 5, Phenylamin-Sieboldia, 1853. Band 6, Siegelmäßigkeit-Zygadit (und Nachtrag Eisenbahnen & Russische Literatur), 1854.
• Sowie 1855/1856 noch zwei äußerst seltene Bände Neueste Ergänzungen; genauer Titel: „Neueste Ergänzungen zu sämmtlichen Auflagen von Pierers Universal-Lexikon und jedem ähnlichen Werke“ (ebenfalls A-Z; zumeist in ein Buch gebunden). Erster Band, Aali-Pascha - Industrieausstellungen, 1855. Zweiter Band Inglis - Zwirner & sowie noch ein 70-seitiger Nachtrag zum Russisch-Türkischen Krieg, 1856.
Bilder zu den vorstehend genannten, sowohl zur 1. als auch zur 2./3.Auflage gedachten Ergänzungen finden Sie in der Galerie am Ende der Ausführungen zur 2.Auflage.

Alle vorstehend genannten Ergänzungen sind - genau wie das Grundlexikon - heute nur noch extrem selten erhältlich.


  Pierers Lexikon Auflagen Pierers Universal-Lexikon 2. Auflage (1840-1846 / 1856)