Dieser Online-Shop verwendet Cookies für ein optimales Einkaufserlebnis. Dabei werden beispielsweise die Session-Informationen oder die Spracheinstellung auf Ihrem Rechner gespeichert. Ohne Cookies ist der Funktionsumfang des Online-Shops eingeschränkt. Sind Sie damit nicht einverstanden, klicken Sie bitte hier.

Der Grosse Herder 4. Auflage (1931-1935)

Die nächste Ausgabe erschien von 1931-1935 unter dem Titel „Der Große Herder Nachschlagewerk für Wissen und Leben. Vierte, völlig neubearbeitete Auflage von Herders Konversationslexikon".
Das Grundlexikon A-Z umfasst 12 Bände mit pro Band etwa 1.700 Spalten. Insgesamt etwa 20.500 Spalten, 100 mehrfarbige Kunstdrucktafeln, 150 Schwarzdrucktafeln sowie zahlreiche mehrfarbige Stadt- bzw. Planbeilagen. 

Technisch & typographisch ein Meisterwerk – Vierfarbdrucke auf Kunstdruckpapier, Offsetdruck für Reproduktion von Aquarellen, Steindruckverfahren – führte Herder mit der vierten Auflage die Rahmenartikel in die Lexikographie ein (s. Bilder 9+10 in der Galerie). Diese - insgesamt in den 12 Bänden rund 430 - sollten nicht der reinen Wissensvermittlung dienen, sondern auch Anleitung zur katholischen Lebensgestaltung geben. Jeder Artikel ist zumeist in drei Abschnitte geteilt:
(1) Charakterisierung & genaue Beschreibung.
(2) Wissenschaftliche Erklärung mit dazugehörigen Formeln & Zahlen.
(3) Rahmenartikel, durch seitliche punktierte Linie gekennzeichnet. Diese sind - neben den enthaltenen Beilagen - zudem in jedem Band vor dem Lexikonteil aufgeführt (s. Bild 6).
Im zwölften Band finden sich im Anhang noch a) ein systematisches Verzeichnis der Rahmenartikel, Tafeln, Bildseiten & Bildgruppen (Bild 13) sowie b) ergänzende Verweisungen (Bild 12).

Die Gesamtauflage betrug 40.000 Exemplare, also nur in etwa die Hälfte der vorangegangenen dritten Auflage.

Wie auch die zeitgleichen Werke der Konkurrenten Brockhaus (15. Auflage) & insbesondere das Bibliographische Institut (Meyers Lexikon 8. Auflage) geriet auch Herder im Verlauf der Erscheinungszeit immer mehr unter Druck der neuen nationalsozialistischen Machthaber, konnte dieses Lexikon jedoch noch weitestgehend frei von Zensur herausbringen. Der Verlag wurde von der Parteiamtlichen Prüfungskommission der NSDAP 1937 aufgefordert, einige Artikel des Lexikons umzuarbeiten. Diese Änderungen sollten so unauffällig gemacht werden, als seinen sie schon zu Beginn des Werkes so verfasst. Der Verlag hielt hier mit bemerkenswertem Mut entgegen, was letztlich Ende 1937 zu einem Verbot des Lexikons führte. Dies ist einer der Gründe für die heute deutlich geringe Verfügbarkeit gegenüber anderen Lexika aus dieser Zeit.

Der Verlag selbst blieb im Anschluß von der eigentlich bereits geplanten gänzlichen Schließung verschont, durfte ab 1939 nur noch weltanschaulich gebundene Artikel anbieten. Die Zerstörung des Freiburger Verlagshauses im November 1944 machte die Schließung des Verlages dann überflüssig (Peche, 236).

Die 4. Auflage des Grossen Herder war in drei verschiedenen Einbandvarianten erhältlich (alle im klassischen Lexikonformat ca. 24,5 x 17,5 cm).

• Halblederausführung (Bild 2):
Dunkelbraune Lederrücken mit Goldprägungen, dunkelblaue Leinendeckel mit Lederecken sowie (rot-)brauner Kopfschnitt.

Prachtausgabe in Halbfranz mit Kopfgoldschnitt (Bild 3):
Hellbraune Lederrücken mit zwei dunkelbraunen Rückenschildern & Goldprägungen, braune Leinendeckel mit Lederecken sowie Kopfgoldschnitt.
Die Rückenansicht ist bei dieser Ausgabe immer farblich variierend: Teils hellere, ins beige tendierende Rücken bzw. teils Rückenschilder ins rötliche gehend. Da uns schon einige, auch sich noch Originalverpackung befindliche - welche noch nie Lichteinflüssen oder ähnlichem ausgesetzt waren - Exemplare vorlagen & keines davon farbeinheitlich war, gehen wir davon aus, daß von dieser Einbandvariante keine in der Rückenfront homogene Reihen mehr erhältlich sind. Ursache hierfür dürften vor allem Materialunterschiede während des Erscheines sein (welche mit der Zeit diese farblichen Auswirkungen zeigen).

Ganzleinenausführung (Bild 4):
Rückengestaltung analog der Prachtausgabe, allerdings hier hellblaue (bis grüne) Leineneinbände mit zwei dunkelblauen Rückenschildern & Goldprägungen, blaue Leinendeckel mit goldgeprägtem Signet sowie orangefarbender Farbkopfschnitt.

1932 erschien noch ein Atlas-Band (genauer Titel: "Herders Welt- & Wirtschaftsatlas"), welcher jedoch auch unabhängig vom Lexikon angeboten wurde (s. Bilder 14 ff.). Fehlt kompletten Reihen häufiger, hat ein etwas größeres Format (ca. 26,5 x 20,5 cm), keinen Kopfgoldschnitt bzw. -farbschnitt & enthält 106 Hauptkarten, 65 Wirtschaftskarten sowie zahlreiche Nebenkarten (über Klima, Vegetation, Völker, Sprachen und Religionen). Zudem ist diesem Atlasband zusätzlich ein 198-seitiger Statistikteil („Die Welt in Maß und Zahl“) beigegeben.