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Historisch-politisch-geographischer Atlas, 1744

Erstausgabe, bedeutendes deutschsprachiges Lexikon

Bruzen de la Martinière, A. A. (Johann Heinrich Zedler)
Historisch-politisch-geographischer Atlas der gantzen Welt. Oder grosses und vollständiges Geographisch- und Critisches Lexicon. Darinnen die Beschreibung des Erd-Kreises enthalten (...) Nebst denen dazu gehörigen Denck- und Merckwürdigkeiten
Aus des berühmten Königl. Spanischen Geographi Mr. Bruzen la Martiniere "Dictionnaire geographique et critique"
Ins Deutsche übersetzt, mit vielen tausend Artickeln vermehret und durchgängig aus den neuesten Geschichten verbessert, sammt einer Vorrede von C. Wolff(en)
12 Bände (A-Z)
Leipzig, Johann Samuel Heinsius, 1744-1749

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um die äußerst seltene Erstausgabe der deutschen Übersetzung (und Erweiterung) von Antoine-Augustin Bruzen de La Martinières (1683–1746) "Dictionnaire Geographique et Critique".
Vollständige Exemplare sind heute kaum noch erhältlich; aktuell wird keine derartige Ausgabe im Antiquariatshandel angeboten.

Original-Ganzledereinbände der Zeit. Rücken mit sechs Bünden, Titelschild & dezenten Goldprägungen (Zierlinien, Titel, Teil & Buchstabenbereich). Schwere Folio-Bände (Format ca. 40 x 27 cm) mit insgesamt etwa 12.000 Seiten, wobei lexikalischer Teil durchgängig in zweispaltigem Druck. Auf ein einspaltiges Lexikon (wie etwa die ersten Auflagen des Brockhaus Conversations-Lexikons) im - in dieser Zeit häufigen - Format von 19x11 übertragen, wären dies ungefähr 35-40 Bände. Mit illustrierten Vorsätzen & dreiseitig rotem Buchschnitt. Band 12 etwas abweichend mit sieben Bünden, umfangreicheren Goldprägungen (u.a. florale Motive) & keinem rotem Buchschnitt.

Das "Grand Dictionnaire Geographique et Critique" gilt als das Hauptwerk von La Martinière & erschien erstmalig ab 1726. Aufgrund der zahlreichen & sehr detaillierten Artikel gilt es als das umfangreichste geographische Werk des 18. Jahrhunderts. La Martinière widmete sein Werk u.a. dem spanischen König, der ihn dafür den Titel des königlichen ersten Geographen verlieh.
Die hier vorliegende Ausgabe ist die deutschsprachige Erstausgabe, welche ab 1744 bei Heinsius unter der Leitung von Johann Heinrich Zedler (1706–1751) erschien. Für das deutschsprachige Publikum wurde der Text der neunbändigen Originalausgabe übersetzt & durch Hinzuziehung weiterer historischer & topographischer Lexika sowie durch Auswertungen vieler neuerer Reisebeschreibungen zudem deutlich erweitert. Dabei griff Zedler auch auf sein eigenes "Universal Lexikon" zurück, wie die häufigen Literaturnachweise in den Artikeln verraten. Aus der Vorrede des Philosophen Christian Wolff (1679-1754) im ersten Band: "Wird sich auch befinden, daß in unserem deutschen Wercke auch gantze Artickel von Städten, Flüssen usw. vorkommen, welche in dem französischen Exemplare gar nicht zu finden sind." Die Bände enthalten lexikalische Beschreibungen aller Staaten, Länder, Herrschaften, Städte, Festungen, Schlösser, Flecken, Klöster, Gebirge, Pässe, Meere, Seen, Flüsse, Inseln etc. Die Einträge reichen hierbei von kurzen, zweizeiligen Dorferwähnungen bis hin zu mehrseitigen Länderbeschreibungen einschließlich statistischer Angaben (Tabellen); einige Impressionen finden Sie auf den Bildern 19-26 in der Galerie.
Dieses ausgesprochen seltene Lexikon ist durch & durch im Sinne der Aufklärung gearbeitet. Es ist neben dem "Zedler" zweifellos eine der umfangreichsten & bedeutensten lexikalischen Arbeiten in deutscher Sprache im 18. Jahrhundert. Und aufgrund der signifikanten Erweiterungen vor allem für die deutschen Gebiete höher als das fränzösische Original zu bewerten. Es erschien 1750 noch ein hier nicht vorliegender Supplementband.

Alle Bände enthalten ein in Rot & Schwarz gedrucktes Titelblatt, welches bei einigen Bänden eine schöne, gestochene Druckermarke von Johann Samuel Heinsius trägt. Die Druckermarke zeigt zwei weibliche Allegorien des Sieges & der Tapferkeit. Im Hintergrund ist die Ansicht der Stadt Leipzig (Stadt des Verlegers) zu sehen. Die Szene ist mit "Conspirant Amicissime" überschrieben (siehe Bilder 5-7 in der Galerie).
Insgesamt enthalten die vorliegenden Bände 16 schöne Kupferstiche.
In allen Bänden findet sich vor dem Lexikonteil eine Widmung diverser Persönlichkeiten. In vier Bänden enthalten diese Widmungen zudem ein reich geschmücktes Portrait der jeweiligen Person. Im ersten Band ein Portrait des nur sehr kurz regierenden Wittelsbacher Kaisers Karl VII. (1697–1745, Kaiser von 1742 bis zum Tode). Im Band 2 Kaiserin Elisabeth von Rußland (1741-1742 Zarin des russischen Reiches, 1709-1762). In Band 3 erscheint ein Portrait von Friedrich August, König von Polen (1670-1733). In Band 5 zeigt der Stich König Friedrich von Preußen (1712-1786, seit 1740 König von Preußen sowie Kurfürst von Brandenburg).
Die übrigen Stiche sind jeweils im oberen Bereich auf der ersten Seite des Lexikonteiles zu finden. So zeigt ein Stich im ersten Band einen gerüsteten Soldaten & einen Geographen vor einem äußerst detaillierten Landschaftspanorama mit geographischen Phänomenen wie einen Wildwasserbach, einen Vulkan & im Hintergrund eine Gestalt, welche die Säulen des Herakles zu illustrieren scheint. Dieses Thema wird in den folgenden Stichen häufig wiedergefunden. Vertreten sind auch Bildelemente wie Chronos mit Stundenglas und Sense, ein Flußgott, kleine Putten, ein römischer Kaiser oder ein Geograph mit Globus. In Band 12 findet sich neben den Allegorien der Tapferkeit & der Geographie auch ein am Boden liegender Mann, der eine Schlange mit einem Messer ersticht.
Diese aufwendige Gestaltung wird durch einige sehr schöne Initialen & große Vignetten abgerundet.

An Rücken, Deckel & Buchkanten berieben, Ecken stärker bestoßen (sehen Sie sich hierzu auch die Originalbilder in der Galerie an). An zehn oberen oder unteren Rückenkanten Fehlstellen oder Einrisse. Zwei Bände mit Einriß am Außengelenk. Goldprägung am Rücken in Form der Zierlinien, Buchstabenbereich und Bandnummer gut erhalten, im Aufdruck des Titels der Ausgabe größtenteils verblasst. Keine fehlenden oder beschädigten Seiten; fest in der Bindung. Kaum Fleckigkeit, nur ganz gelegentlich mal ein Fleck oder braunrandig, Seiten leicht gebräunt. Fliegender Vorsatz & Vortitel bei allen Bänden außer Band 12 fehlend; bei Band 1 Vortitel zwar erhalten, aber mit 5 cm fehlendem, oberen Rand (s. Originalbild in der Galerie). In fast allen Bänden sind einige Spalten mit nicht korrekt fortlaufender Spaltennummer bedruckt; der fortlaufende Spaltentext ist jedoch immer in der richtigen Reihenfolge (dies läßt vermuten, daß seinerzeit bis zuletzt, d.h. noch im Satz, redigiert & korrigiert wurde). Band 12 fällt in der Qualität etwas ab: Deckel stark berieben, am Rand mit kleinen Fehlstellen; Rücken mit Fehlstelle, Außengelenk eingerissen, einige Seiten etwas stärker braun-/wasserrandig.
Überdurchschnittlich erhaltenes Exemplar dieser seltenen Erstausgabe; zudem durchgängig in Ledereinband.

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